Hanggarten
Auf Schritt und Tritt.
Die Einteilung der Nutzungsebenen richtet sich nach den Möglichkeiten der örtlichen Gegebenheiten und selbstverständlich nach den Bedürfnissen des Gartenbesitzers. Je nach Hang können also Terrassen, Bastionen (Vorsprünge) oder kleine Nischen gestaltet werden, die als Nutzgarten, Sitzplatz, Ruhezone, Spielfläche etc. dienen.
Um die Niveauunterschiede zu überwinden werden die einzelnen Ebenen durch Treppen oder serpentinenartige Wegeführung mit einander verbunden. Wie schon die Stützmauer beeinflussen auch diese beiden wichtigen Gestaltungselemente den Charakter des Hanggarten maßgeblich. Durch eine Kombination von beiden Bauweisen kann darüber hinaus eine interessante Spannung, sowie eine klare Gliederung des Geländes erzeugt werden ohne die Gesamtheit unwillkürlich zu zerteilen. Serpentinen erleichtern zudem den Transport von Rasenmäher, Kinderwägen, Fahrrädern und dergleichen, welche über Stufen nur mühsam von einer Ebene auf die andere zu bringen sind.
Am flachen Hang werden Stufen bzw. Wege weitläufiger und flacher geführt, als am steileren Hang. Um das Stufensteigen zu erleichtern, bieten Podeste eine sinnvolle und angenehme Lösung, die bei einer entsprechenden Größe sogar als Sitzplatz ausgebaut werden können.
Auch bei den Treppen kann auf die unterschiedlichsten Materialen zurückgegriffen werden. Urgesteine wie Granit, Gneis und Quarzit sind besonders hart und daher dauerhaft. Es gibt sie in vielfältigen Farbnuancen von Weißgrau über Rotgrau bis Grünlichgrau. Sedimentgesteine wie zum Beispiel Kalksteine wirken vor allem durch die Einschlüsse urzeitlicher Fossilien. Muschelkalk ist grau bis bläulich oder auch gelblich. Die Farben des Sandsteins reichen von Hellgelb über Gelbgrün bis Rotbraun und Grau.
Holzstufen finden besonders bei Freunden des Naturgartens großen Anklang. Es sei jedoch erwähnt, dass dieses Material auf kurz oder lang den Witterungsverhältnissen zum Opfer fallen wird und daher die Haltbarkeit zeitlich begrenzt ist. Für alle Materialen aber gilt: die Auftrittsfläche darf nicht zu glatt sein, da andernfalls die Gehsicherheit nicht gewährleistet ist.
Was die Baustoffe für Wege betrifft reicht das Angebot wieder von Naturstein- bzw. Betonplatten über Naturstein- bzw. Betonpflaster, Klinkerpflaster, Verbundpflaster, Holzstege bis hin zu befestigten Kieswegen. Sie bleiben nur am Rande erwähnt, da die genauere Erläuterung der Vor- und Nachteile dieser einzelnen Materialen den Rahmen dieses Artikels sprengen würde.
Pflanzen
Während die unterschiedlichen Ebenen, Stützmauern, Treppen und Wege sozusagen das Skelett des Hanggarten repräsentieren, verleihen die Pflanzen dem Gesamterscheinungsbild erst den lebendigen Körper.Dabei bieten die Nutzungsebenen kaum Einschränkungen in der Vegetationsansiedlung. Hier kann unter Berücksichtigung der Licht- und Bodenverhältnisse sowie Wasserversorgung alles angepflanzt werden, was einer intensiven Betreuung bedarf, da die Pflanzen hier gut zugänglich sind.
Am Hang allerdings müssen Pflanzen immer ausdauernd und langlebig angelegt werden. Außerdem soll die dort angesiedelte Vegetation die wichtige Zusatzfunktion der Hangstabilisierung erfüllen, da die exponierte Lage einer Hangkuppe Wind und Wetter extrem gesetzt ist. Erosionsschäden als Folge von Wind, Regenwasser oder Schnee können die Gesamtstabilität des Hanges und somit die Sicherheit der Gartenbesitzer- bzw. benutzer erheblich gefährden. Die Grundbepflanzung sollte also beinahe flächendeckend erfolgen, um einer möglichen Bodenerosion entgegenzuwirken und den Hang so schnell wie möglich oberflächlich zu durchwurzeln. Bis aber die gesetzten Pflanzen durch ihre Wurzeln und ihr Blattwerk die Aufgabe der Hangsicherung übernehmen können, muss auf andere Hilfsmittel als Erosionsschutz zurückgegriffen werden. Die Art der Geländestabilisierung richtet sich nach der Steilheit der Böschung. Bei flacheren Hängen bieten Kokosfasergewebe oder anderen Geotextilien, welche mit Holzpflöcken im Boden befestigt und mit Oberboden bedeckt werden, den nötigen Halt. Sie haben den Vorteil, dass sie mit der Zeit brüchig werden und sich langsam auflösen bis die Pflanzen den Hangschutz zur Gänze übernehmen können. Bei steilen Hängen muss der Erosionsschutz aus stabilen nicht verrottbaren Materialien beschaffen sein wie Holzbalken, Böschungsbänder oder Steinschichtungen (Vorstufe zur Stützmauer).
Nachdem nun Grund und Boden endgültig gesichert sind, kann man sich der eigentlichen, maßgeblichen Bepflanzung widmen. Grundsätzlich verfolgt man das Ziel, durch die Wahl der verschiedenen Pflanzen, die Schräge des Hanges optisch zu minimieren. Daher werden höhere Sträucher am Fuße des Hanges angesiedelt während mit ansteigender Hanghöhe die Bepflanzung immer niederer wird. Am Fuße der Böschung werden außerdem einige Anforderungen an die Pflanzen gestellt, da aufgrund des sich sammelnden Regenwassers und wegen der geringeren Sonneneinstrahlung, der Boden meist feuchter ist. Hier eignen sich vor allem folgende Pflanzen als bodendeckende Stauden: Frauenmantel, Prachtspieren, Johanniskraut und Waldsteinien.
Für die Gruppenbepflanzung eignen sich hohe Farne, verschiedene Sorten von Hortensien, Strauchefeu, ein angelegtes Moorbeet mit Azaleen, Rhododendren, Schneeheide, Lavendelheide, Lorbeerrose, u.a.
Als Heckenpflanzen bieten sich Kirschlorbeer, Buchs oder Eibe an. Hecken müssen zwar regelmäßig geschnitten werden, jedoch hält sich dieser Aufwand und die Menge des anfallenden Schnittgutes durch die Langsamwüchsigkeit dieser Pflanzen in Grenzen.
Je weiter man „nach oben“ kommt, desto trockener wird es. Hier eignen sich Pflanzen wie: Efeu, Bodendeckerrosen, Thymian, Fetthenne, Salbei, Lavendel und Gruppen von Blütensträuchern.
Bäume und Solitärgehölze unterliegen dieser Strukturierung nicht und lockern das flächige Erscheinungsbild etwas auf.
Wasser
Die Wasserversorgung spielt am Hang eine wichtige Rolle, da sehr unterschiedliche Bedingungen vorherrschen. Wie bereits erwähnt, ist der Boden am Fuße feuchter und am Gipfel trockener. Es müssen also Maßnahmen gesetzt werden, die einerseits eine gleichmäßige Wasserversorgung am gesamten Hang gewährleisten und andererseits das oberflächliche Wegrinnen von Regen- bzw. Gießwasser verhindern. Dies wird durch Drainagen, durch Bermen (leichtes Gliedern des Hanges mit abgeflachten Stellen) und durch die entsprechende Bepflanzung erreicht. Dabei ist darauf zu achten, dass größere Bäume und Sträucher mit einer Gießscheibe versehen werden.
In einem Hanggarten bietet es sich natürlich besonders an, Wasser in der Form eines Bachlaufes mit einzuplanen. Er kann durch ein harmonisches Zusammenspiel von Wassergräben verbunden mit Kaskaden sowie Wassertreppen ein belebendes und eindrucksvolles Gestaltungselement sein. Spezielles Augenmerk sollte hierbei auch auf die begleitende Bepflanzung gelegt werden, um den Bachlauf so natürlich wie möglich aussehen zu lassen.
Nichtsdestotrotz zählt der Hanggarten obgleich seiner zahlreichen Hürden, Einschränkungen und Grenzen zu den wirkungsvollsten Grünanlagen. Deshalb sollte eine gut durchdachte Gartengestaltung das oberste Gebot bei der Anlage eines solchen Gartens sein. Nehmen Sie sich für die Gartenplanungsphase ausreichend Zeit, holen Sie sich verschiedene Meinungen und Vorschläge ein. Ein Hanggarten bietet unzählige Gestaltungsmöglichkeiten und gerade deswegen sollten sie vorher sicher gehen, dass keine Chance verspielt wird.
Ihr Gartengestaltungsteam
Living Garden
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